ORF 20.10.26
BBT erneut teurer und erst 2034 eröffnet
Die Inbetriebnahme des Brenner-Basistunnels (BBT) verschiebt sich auf das Jahr 2034. Zudem steigen die Kosten von 10,5 auf 11,7 Milliarden Euro. Das teilte am Dienstag die Brenner-Basistunnel-Gesellschaft BBT SE in einer Aussendung mit.
Entsprechende Gerüchte um eine erneute zeitliche Verschiebung hatte es bereits in den vergangenen Monaten gegeben. Schließlich kündigte die Basistunnelgesellschaft eine „Aktualisierung des Bauprogramms“ an, die nunmehr erfolgte und die entsprechenden Konsequenzen zur Folge hatte.
Erkundungsstollen wird zum Servicetunnel entwickelt
Infolge des Erfahrungsaustauschs mit dem Gotthard-Basistunnel und anderen europäischen Großprojekten im Infrastrukturbereich entwickle die BBT SE den Erkundungsstollen weiter zum Servicetunnel.
Dadurch könnten die Betriebsunterbrechungen betreffend Instandhaltungsarbeiten deutlich reduziert werden, wodurch die Verfügbarkeit der Anlage erhöht werde, wurde argumentiert. Das sei ein großer Vorteil für die gesamte Betriebsphase.
„Technische Planung angepasst“
Der BBT sei mehr als nur ein Tunnel. Es handle sich dabei um ein grenzüberschreitendes Bahnsystem, das höchsten Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Betrieb gerecht werden müsse, hieß es in der Aussendung der BBT.
„Die technische Planung wurde deshalb an den heutigen Stand der Technik und die geltenden Sicherheitsanforderungen angepasst. Die dafür notwendigen zusätzlichen Bauarbeiten und die Integration der Bahntechnik bedeuten mehr Zeit und höhere Kosten. Der BBT ist ein einzigartiges Projekt, das maßgeblich dazu beitragen wird, den Straßenverkehr zu entlasten“, betonten die beiden Vorstände der BBT SE, Umberto Lebruto und Martin Gradnitzer.
Mattle und Zumtobel sprechen von herbem Rückschlag
Jede Verzögerung beim BBT sei ein Rückschlag, erklärte Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) in einer Aussendung. „Die nun angekündigte Nutzung des Erkundungsstollens als Servicestollen, um damit die Sicherheit zu erhöhen, künftige Sperrtage zu vermeiden und damit die Kapazitäten zu erhöhen, klingt technisch schlüssig – diese Entscheidung führt jetzt aber zu weiteren Bauverzögerungen und der Verteuerung des Projekts.“
Die Bauzeitverlängerung und die damit verbundenen höheren Kosten beim BBT seien ein herber Rückschlag für die Bemühungen, den Verkehr am Brennerkorridor von der Straße auf die Schiene zu verlagern, sagte Verkehrslandesrat Rene Zumtobel (SPÖ).
Verkehrsminister sprich von unerfreulichen Mehrkosten
Die Verzögerung und Mehrkosten beim BBT seien unerfreulich, hieß es in einer Reaktion aus dem Büro von Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ). Für die Bevölkerung Tirols sei die Fertigstellung des Tunnels essentiell, da so ein Teil des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann.
„Ich erwarte mir vom Vorstand der BBT-SE, dass dieser die neuen Pläne konsequent, im neuen Zeitrahmen und mit strikter Kostendisziplin umsetzt. Die Menschen, allen voran die Tiroler Bevölkerung, müssen sich darauf verlassen können, dass dieses Projekt jetzt mit voller Kraft vorangetrieben wird“, sagte Hanke.
Grüne sehen LH Mattle gefordert, NEOS mit scharfer Kritik
„Wenn der Brennerbasistunnel schon über eine Milliarde Euro mehr kostet sollte es eigentlich nicht länger dauern sondern schneller gehen. Umso mehr appelliere ich an Landeshauptmann Mattle endlich unsere sinnvollen Vorschläge wie eine durchgehende Geschwindigkeitskontrolle für Lkws aufzugreifen. Denn die Menschen haben die neuen Transit-Rekordwerte und das Drüberfahren über ihre Interessen wirklich satt“, sagte der Klubobmann der Tiroler Grünen im Landtag, Gebi Mair.
Der Tiroler NEOS-Nationalratsabgeordnete Dominik Oberhofer forderte, dass die Ursachen für die Verzögerungen und Kostensteigerungen bei dem „zentralen Infrastrukturprojekt“ transparent untersucht werden. „Es kann nicht sein, dass wir uns bei öffentlichen Großprojekten irgendwann daran gewöhnen, dass alles länger dauert und immer teurer wird“, kritisierte der NEOS-Verkehrssprecher. Er erwarte sich klare Antworten, „warum diese Entwicklung nicht früher absehbar war, welche Alternativen geprüft wurden und welche Maßnahmen jetzt gesetzt werden, dass aus 2034 nicht irgendwann 2036 wird“.
Liste Fritz nimmt Landeshauptmann in die Pflicht
Die erneute Verzögerung und die Kostensteigerung kritisiert auch Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider scharf. Sie nimmt auch Landeshauptmann Mattle in die Pflicht. „Wenn Mattle jetzt aufgeregt Briefe schreibt, ist das schlimm. Wenn er als
Landeshauptmann nichts gewusst hat, ist es noch schlimmer. Reden die Herrschaften zwischen Innsbruck und Wien überhaupt miteinander?“
Für die Tiroler Bevölkerung, die „seit
Jahren“ auf Entlastung vom Transitverkehr warte, sei die neuerliche Verschiebung ein schwerer Rückschlag. Haselwanter-Schneider fürchtet ein Fass ohne Boden: „Im Vorbeigehen von mehr als einer Milliarde Euro Mehrkosten zu reden, ist der Bevölkerung nicht zumutbar.“ Die Liste Fritz fordert deshalb „volle Transparenz über Zeitplan, Kostenrisiken und politische Verantwortung“.
Weiter Warten auf Nordzulauf in Deutschland
Der 64 Kilometer lange Tunnel soll den Gütertransport und die Reise zwischen Deutschland und Italien deutlich beschleunigen. Damit die wichtige Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen maximal genutzt werden kann, müsste auch der Nordzulauf in Bayern ausgebaut werden.
Seit mittlerweile zehn Jahren wird in Deutschland an der Zulaufstrecke geplant. Bisher gibt es keine Entscheidung, sondern massiven Widerstand aus Bayern. Zuletzt vertagte der Bundestag das Thema – mehr dazu in BBT-Nordzulauf: Ist der Zug abgefahren?.
Ausführlicher Bericht siehe https://tirol.orf.at/stories/3376099/